Rotlichttherapie bei der Wundheilung
Wundheilung ist kein einzelner Prozess. Der Körper durchläuft nach einer Wunde drei aufeinanderfolgende Phasen: Entzündungsphase, Proliferationsphase und Reifungsphase. Die Rotlichttherapie ist wirksam, weil sie in jede dieser Phasen eingreift, auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Ergebnis. Das macht sie zu mehr als nur "Licht auf eine Wunde scheinen".
Phase 1: die Entzündungsphase (Tag 1 bis 5)
Unmittelbar nach einer Verletzung reagiert der Körper mit einer Entzündungsreaktion: Rötung, Schwellung und Wärme. Das ist normal und notwendig, aber eine zu lang anhaltende oder zu heftige Entzündung verlangsamt die Genesung.
Die Rotlichttherapie reduziert die Produktion von proinflammatorischen Zytokinen, was die Rötung, Schwellung und Schmerzen um die Wunde herum verringert. Durch die Modulation der Entzündung, ohne sie vollständig zu unterdrücken, hilft sie dem Körper, schneller in die nächste Phase überzugehen.
Phase 2: die Proliferationsphase (Tag 4 bis 3 Wochen)
In dieser Phase baut der Körper neues Gewebe auf. Fibroblasten produzieren Kollagen, neue Blutgefäße wachsen und die Wunde schließt sich. Dies ist die Phase, in der rotes Licht die meiste Arbeit leistet.
Die Rotlichttherapie stimuliert die Fibroblasten zur Produktion von Typ-III-Kollagen, das flexibler und stärker ist als das Kollagen, das normalerweise bei der Narbenbildung entsteht. Dies ist entscheidend für ein funktionell und ästhetisch besseres Endergebnis.
Gleichzeitig verbessert die Therapie die Mikrozirkulation um die Wunde. Die Lichtwellen verstärken die lokale Durchblutung und aktivieren Immunzellen im Wundbereich, wodurch der Körper schädliche Bakterien schneller bekämpfen und das Infektionsrisiko verringern kann.
Phase 3: die Reifungsphase (Wochen bis Monate)
Die Wunde ist geschlossen, aber das Narbengewebe reorganisiert sich noch monatelang. Hier bestimmt die Qualität des gebildeten Kollagens, wie sichtbar und spürbar die Narbe letztendlich wird.
In dieser Phase mit Rotlicht fortzufahren, lohnt sich. Durch die weitere Modulation der Entzündung kann die Rotlichttherapie die übermäßige oder unkontrollierte Kollagenproduktion, wie bei hypertrophischen Narben oder Keloiden, reduzieren.
Für welche Wunden ist sie geeignet?
Die Rotlichttherapie ist vielseitig einsetzbar: Schnitt- und Schürfwunden, chirurgische Narben, sobald die Haut geschlossen ist, Verbrennungen (oberflächlich, nach medizinischer Behandlung), Aknenarben und diabetische Wunden, bei denen die Heilung langsamer verläuft.
Wichtiger Vorbehalt: Bei schweren Wunden, offenen Infektionen oder Verbrennungen ist immer eine medizinische Behandlung führend. Die Rotlichttherapie ist eine Ergänzung, kein Ersatz.
Wann beginnen Sie?
Nicht bei einer offenen Wunde. Warten Sie, bis die Wunde vollständig geschlossen ist. Danach gilt: Je früher Sie beginnen, desto mehr Einfluss haben Sie auf die Qualität des sich bildenden Narbengewebes. In der frühen Proliferationsphase gibt es den größten therapeutischen Spielraum.
Wie wenden Sie es an?
Verwenden Sie Wellenlängen von 630 bis 660 nm für die oberflächliche Wundheilung, gegebenenfalls ergänzt durch 810 bis 850 nm Nahinfrarot, wenn das Gewebe tiefer liegt. Halten Sie eine Sitzungsdauer von 10 bis 20 Minuten ein, in einem Abstand von 15 bis 30 cm, 2 bis 5 Mal pro Woche. Behandeln Sie die Haut sauber, ohne Cremes oder Salben, damit das Licht direkt die Haut erreicht.
